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Höherer Pflegebedarf soll Arbeit schaffen

16.01.2012 14:27
Von: Frank Ellmers - Lausitzer Rundschau v. 14.01.2012

Hoyerswerda: Hoyerswerda ist eine der sächsischen Städte, wo die meisten Menschen - gemessen an der Einwohnerzahl - an einer Demenzerkrankung leiden. Der Bedarf an Pflegekräften ist deshalb hoch. Gleichzeitig ist der Anteil der über 50-Jährigen unter den Arbeitslosen sehr hoch. Das Bautzener Jobcenter hat auf diese Entwicklung reagiert und bildet Hartz-IV-Empfänger in dem Pflege-Bereich mit dem Ziel einer späteren Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt aus.

Dieter Walter und Heike Kalich setzen verstärkt auf Lehrgänge im Pflegebereich. Nach Angaben von Dieter Walter, dem Leiter der Bautzener DPFA-Bildungsstätte, findet die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer an Fortbildungslehrgängen wie „Qualifizierung zur Pflegehilfskraft und zum Alltagsbegleiter für Demenzkranke“ später einen Job. In der Regel sind es Frauen, die meisten Teilnehmer sind Hartz-IV-Empfänger, die mit dem Bildungsgutschein des Jobcenters kommen.
„Wir haben in Hoyerswerda erst vor zwei Jahren mit der Weiterbildung für Pflegehilfskräfte/Alltagsbegleiter für Demenzkranke angefangen“, sagte Walter. Seitdem sind bereits drei Fortbildungslehrgänge in der Stadt mit 33 Teilnehmern durchgeführt worden. 90 Prozent von ihnen waren Hartz-IV-Empfänger. Der Altersdurchschnitt reichte von Mitte 20 bis über 50 Jahre. Der vierte Lehrgang beginnt in Hoyerswerda im August und dauert sechs Monate. DPFA-Ausbildungsleiterin Heike Kalich verwies darauf, dass in dem letzten Kurs erstmals auch eine zusätzliche Ausbildung für den Spritzenschein mit aufgenommen wurde. Es bestehe in den Pflegeeinrichtungen eine große Nachfrage nach Fachpersonal, das Insulin spritzen könne, begründete Kalich das zusätzliche Angebot.
Für Walter ist Hoyerswerda auch deshalb interessant, weil dort die Arbeitslosigkeit gerade bei denjenigen über 50 Jahre besonders hoch ist. Für sie sei es besonders schwierig, wieder eine Arbeit zu finden. Eine Tätigkeit im Pflegebereich biete eine gute Möglichkeit auf eine Beschäftigung. Großen Wert werde auf eine praxisnahe Ausbildung gelegt. Wer sich dafür interessiere, müsse beim Jobcenter einen Bildungsgutschein beantragen, betonte der DPFA-Bildungsstättenleiter. Der Fallmanager entscheide, ob der Hartz-IV-Empfänger ihn bekomme.

Das Bautzener Jobcenter knüpft allerdings an die Erteilung von Bildungsgutscheinen strenge Voraussetzungen. Der Pflegebereich stand dabei an erster Stelle. Danach kamen Lehrgänge für Schweißer, Gabelstaplerfahrer, Sicherheitsfachleute und Baumaschinenführer. Andrea Kunath, Amtsleiterin Eingliederung im Bautzener Jobcenter verwies darauf, dass bei vielen Hartz-IV-Empfängern, die sich für den Pflegeberuf interessierten, doch festgestellt werden müsse, dass dieser Beruf auf Dauer nichts für sie sei. „Die Anforderungen werden unterschätzt“, sagte Kunath und Axel Lungershausen, Teamleiter Projektmanagement, ergänzte: „Nicht alle unsere Kunden sind geeignet, einen Bildungsgutschein zu bekommen.“ Das setze Eigenverantwortung voraus. Nicht alle seien motiviert und agil.
Ein besonderes Problem stellen die Langzeitarbeitslosen dar. Kunath: Es ist eine Illusion zu glauben, dass alle Kunden von Beginn an die acht Stunden pro Tag arbeiten könnten. Es gebe eben auch viele, die seit 1991 arbeitslos seien und in den letzten 20 Jahren noch nie auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig gewesen seien.

Zum Thema:
Hintergrund Im letzten Jahr wurden im Landkreis nur 511 Bildungsgutscheine genehmigt. Das kostete 1,2 Millionen Euro. In Hoyerswerda waren es gerade mal 220 Bildungsgutscheine, die Hartz-IV-Empfänger bekommen hatten. Derzeit gibt es im Landkreis Bautzen 18 000 Bedarfsgemeinschaften mit 32 000 Hartz-IV-Empfängern. Davon sind 23 000 arbeitsfähig. Im letzten Jahr fanden 5000 von ihnen wieder einen Job im ersten Arbeitsmarkt. 


 

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